Was ist Karate ?

Karate ist eine fernöstliche Kampfkunst, bei der alle Gliedmaßen des menschlichen Körpers eingesetzt werden. Übersetzt bedeutet Karate soviel wie "leere Hand" und gibt zu verstehen, dass bei dieser Kampfkunst generell keine Waffen verwendet werden. Stattdessen bedient man sich verschiedenster Schläge, Stöße, Fußtritte und dergleichen mehr. Karate, rein als Sport ausgeübt, ist hervorragend geeignet, um Muskeln und Kreislauf zu trainieren. Durch Beugen, Springen, Balancieren usw. erzieht Karate den Körper und hilft, jegliche Art von Bewegungen besser koordinieren zu können. Die dadurch gesteigerte Mobilität und das bessere Reaktionsvermögen können auch im Alltag von großem Nutzen sein. Sämtliche Techniken werden vollkommen von der Willenskraft des Trainierenden kontrolliert und richten sich mit maximaler Energie auf ein bestimmtes Ziel. Dabei werden alle Resourcen des Körpers optimal ausgenutzt. Karate ist eine sehr alte Kampfkunst, geht jedoch Hand in Hand mit den neuesten Erkenntnissen der Physik, Biologie und Medizin.
Früher war das Karate dazu entwickelt worden, mit einem Schlag zu töten. Der japanische Ausdruck dafür ist "ikken hissatsu". Einem bewaffneten Gegner gegenüber hatte man nur eine Chance bzw. nur einen Schlag, und dieser mußte genutzt werden, sofern man nicht sein Leben lassen wollte. Dieser Grundsatz hat im heutigen Karate aus verständlichen Gründen weitestgehend an Bedeutung verloren.

Ursprung und Herkunft

Vom geschichtlichen Standpunkt aus lassen sich die Anfänge des Karate bis etwa 3000 v. Chr. zurückverfolgen. Geografischer Ausgangspunkt dürften damals Indien und die frühere Türkei gewesen sein. Um in Friedenszeiten die Kampfbereitschaft militärischer Truppen aufrecht zu erhalten, wurden diverse Übungen zur Körperertüchtigung durchgeführt. Dies geht bereits aus Berichten von Alexander dem Großen hervor.
Um ca. 523 n. Chr. brachte der Mönch und ZEN-Priester Bodhidarma seine Vorstellungen des Zen-Buddhismus zum Shaolin Kloster nach China.

Technik
Bild 1: Buddhistische Mönche bei verschiedenen Kampfübungen
Es kam zu einer Verschmelzung von körperlichen und geistigen Elementen, sowie zur Ausbildung eines richtigen Kampfkunstsystems. Man zog seine Lehren vor allem aus der Natur und nahm Tierbewegungen als Vorbild. Die Entwicklung der verschiedenen Tierstile im Kung-Fu (= harte Arbeit) hatte die Überlegung zugrunde, dass die Tiere dem Menschen außer in geistiger Hinsicht überlegen seien. Von all diesen Stilen hat der Tigerstil das Shotokan Karate, wie wir es betreiben, am nachhaltigsten beeinflußt. Danach geriet diese Lehre lange Zeit in Vergessenheit und wurde erst im 13. Jahrhundert wieder aufgenommen und ergänzt.

 

China war anno dazumals Ausgangspunkt reger Handelsbeziehungen. Aufgrund dieses Faktums wurden neben Handelswaren auch geistige und kulturelle Güter in andere Länder exportiert. Auf der Insel Okinawa, welche zu den südlichen Inseln Japans gehört, kam es zum Kontakt mit dem einheimischen Okinawa-Te, auch Tode genannt. Diese Form der okinawanischen Kampfkunst war sehr körperbetont und hatte einen relativ geringen bis gar keinen spirituellen Aspekt. Letzterer fand mit den chinesischen Kampfformen jedoch sehr schnell Eingang und war nach einiger Zeit nicht mehr wegzudenken. Auf Okinawa herrschten über Jahrhunderte hinweg Kriege, und Clans stritten sich um die Vormachtstellung im Lande. Während dieser Zeit wurde ein Waffenverbot für die niedere Bevölkerung Okinawas erlassen, welches bei Nichteinhaltung mit der Todesstrafe geahndet wurde. Darin liegt auch die Ursache, warum man eine Kampfkunst der "leeren Hand" entwickeln musste.
Aber auch diese Kunst der leeren Hand war verboten und mußte ständig im Geheimen geübt werden. Okinawa Te wurde stets nur vom Meister zum Schüler weitergegeben und nie publik gemacht. Die Lehrer-Schüler-Beziehung war deshalb sehr innig und zeichnete sich durch großes gegenseitiges Vertrauen aus. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts entwickelten sich 3 Städte zu den Zentren des Karate bzw. zu dessen Vorläufer, dem Okinawa Te. Die Namen dieser Städte waren Shuri, Tomari und Naha. Grob gesagt gingen aus Ihnen die heute praktizierten Hauptstilrichtungen hervor. Diejenige, welche am meisten verbreitet ist und auch von unserem Verein praktiziert wird, ist Shotokan Ryu. Andere bekannte Stilrichtungen sind Goju Ryu, Wado Ryu, Shito Ryu und Kyokushinkai Ryu. Es gibt aber noch eine große Anzahl weiterer Stilrichtungen, die weltweit anerkannt sind.
Um 1870 herum kam es in Japan zu großen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen. Das Samurairittertum wurde ebenso wie das Waffenverbot abgeschafft, und Okinawa wurde vollständig an Japan angegliedert. Dennoch wurde Karate weiterhin im Geheimen geübt und nur von Meister zu Schüler weiter gegeben. Der Schüler war quasi in die Familie des Meisters integriert.
Als Meister Anko Itosu 1905 erstmals Karate öffentlich demonstrierte, brach er ein Tabu und zog sich den Zorn vieler anderer Meister des Karate zu. Er rechtfertigte sich aber mit dem Argument, jegliche geistige Grundlage weggelassen zu haben, sowie nur die körperlichen und gesundheitsfördernden Aspekte zu betonen.

Zum tatsächlichen Entstehen des Wortes "Karate" kam es erst 1922 durch Meister Gichin Funakoshi. Er wird als Begründer des modernen Karate und des Shotokanstils angesehen, obwohl er selbst mit dieser Aussage nie sehr glücklich war. Für ihn war Karate immer etwas Ganzheitliches, und er hielt daher nicht sehr viel von der Trennung in einzelne Stilrichtungen. "Shotokan" bedeutet "Kieferrauschen" und hat seinen Ursprung von der Trainingshalle Funakoshis, die in einem solchen Kieferwald gelegen war. Das Symbol dieser Stilrichtung ist der Tiger. Unter Funakoshi hielt Karate auch Einzug an die Universitäten des Landes. An einigen wurde es sogar zum Pflichtfach. Varianten des freien Kampfes waren bisher unbekannt und unerwünscht. Erst allmählich begannen sich diese Formen zu entwickeln. Funakoshi Bild 2: Meister Gichin Funakoshi

 

In den 50er Jahren wurde unter Masatoshi Nakayama und Hidetaka Nishiyama in Japan die JKA (Japan Karate Association) aufgebaut, die sich für die Entwicklung des Wettkampf und Sportkarate verantworlich zeigt. In Österreich konnte Karate Anfang der 60er Jahre Fuß fassen. Mittlerweile zählt der Österreichische Karatebund mehr als 120 Vereine und ca. 8000 Mitglieder. Daneben gibt es noch andere Vereinigungen. In der Rangliste der am meisten ausgeübten Sportarten belegt Karate gegenwärtig die Nummer 10. Was den olympischen Status anbelangt, kann man noch keine klaren Aussagen treffen. Karate wurde vom IOC zwar anerkannt, wann es aber tatsächlich in die Gilde der olympischen Sportarten aufgenommen wird, ist noch unklar. Tendenzen sprechen für das Jahr 2004.

Die Begründer der JKA

Nakayama Nishiyama
Bild 3: Masatoshi Nakayama  Bild 4: Hidetaka Nishiyama

 

Diese kurze Zusammenfassung gibt alle geschichtlichen und wesentlichen Belange nur in stark verkürzter Form wieder. Wer intensiver an den Ursprüngen des Karate interessiert ist, möge sich bitte an die jeweiligen Vereinstrainer wenden oder ein e-mail schreiben. Nachfolgend ist auch noch eine Literaturliste mit den bekanntesten dazu erschienenen Werken aufgelistet.

Empfehlenswerte Literatur:

Nakayamas Karate perfekt Band 1-8, von M. Nakayama, Falken Verlag
Die klassische Kata, von Werner Lind, O.W. Barth Verlag
Karate 1 & 2, von Albrecht Pflüger, Falken Verlag
Ostasiatische Kampfkünste von Werner Lind, Sport Verlag

Abbildungsverzeichnis:

Bild 1, aus:  Werner Lind: Die klassische Kata
Bild 2, aus:  Gichin Funakoshi: Karate Do - Mein Weg, Werner Kristkeitz Verlag
Bild 3, aus:  M. Nakayama: Nakayamas Karate perfekt, Falken Verlag
Bild 4, aus:  H. Nishiyama & R. Brown: Karate - the art of empty hand fighting, Fa. Sport Rhode